Schneegleitsportarten 2013

oder: Warum die Heuschrecke über die Japanrolle stolpert

Zuerst ein bisschen Verlautbarungsprosa über unsere Skifortbildung in Hintertux: Am Anfang sah es ganz kurz so aus, als müsste das ehemalige Paradeschiff „Skifortbildung“ des DSLV Bayern abgesagt werden, so spärlich „tröpfelten“ anfangs die Anmeldungen herein. Dann schien es so zu werden wie die letzten Jahre. Aber auf einmal kamen sie, die Teilnehmerinnen. Und kurz nach Meldeschluss musste dann sogar noch eine dritte Ausbildungskraft engagiert werden.  Scheinbar ahnten unsere Mitglieder, dass diese Fortbildung unter tollen Bedingungen stattfinden würden: Klasse Ausbilder, ein super Hotel mit wirklich kompetentem Personal und Essen vom Feinsten –  ach ja, natürlich Kaiserwetter mit Fernsicht fast bis nach Venedig.

Wir waren wie in den letzten Jahren im Tirolerhof in Lanersbach untergebracht – und wie in den letzten Jahren so auch dieses Mal eine sehr gute Wahl! Los ging‘s am Samstag mit einem furiosen Abendessen, das alle in richtig satte Vorfreude auf die kommenden Tage versetzte. Die Teilnehmer waren zum kleinen Teil unsere Silberrücken und Golden Agers aber auch ein großer Teil neuer Gesichter war dabei. Unter anderem auch die Präsidentin Barbara Roth und der zweite Vorsitzende Rudi Ederer. Letzter fiel sogar in beide Kategorien: Rudi ist zum einen ein verdientes „Altmitglied“, andererseits war er ja auch sozusagen nagelneu in seiner Vorstandsfunktion. Den Pokal für die weiteste Anreise erhielten Eva-Maria und Katy.

Dann drei Tage Schulung und Fortbildung bei den drei sehr gut vorbereiteten Ausbildern, angeführt in gewohnter Souveränität von Rosi Matula-Wegner, Ihre beiden Ko-Ausbilder Tom und Michi ebenfalls tolle Typen und rundum kompetent. Unter diesen Umständen wollte es sich auch das Wetter scheinbar nicht nehmen lassen, zur rundum runden Veranstaltung durch zwei Tage Sonnenschein mit beizutragen. Lediglich am letzten Tage war es neblig, aber da konnte schon nichts mehr schief gehen.

Soweit der offizielle Part.

Nun kommt noch ein bisschen Begeisterungspoesie:
Und zur Überschrift – und wie es dazu kam. Denn die Veranstaltung war sehr inhaltsreich auf der einen und zum anderen wirklich rundum grandios. Verletzungen gab es nur die üblichen: schwerer Stimmbandbruch bei Rudi nach einem Disko-Besuch, hochgradige Kopfschwere bei Tom nach dem Versuch, Westdeutsch aus Düsseldorf an der Hotelbar zu erlernen, und Melancholie bei Charly, der vom Land der 1000 Berge träumte („und drei sogar über 800 Meter hoch!“) – dem Sauerland. Auch der Gerhard hat nun gelernt, dass man bei einem Skitest von der Elke immer schön am Boden bleibt, weil sonst die Absturzhöhe zu erheblichen Prellungen und Schürfwunden führen kann. Und natürlich Inhalte – oder wie Herr Markwort immer so schön fabulierte: Faktenfaktenfakten! Denn die bewegten wirklich alle!

Zuerst Theorie: Rosi bat die Teilnehmerschaft ins kuschlige Kaminzimmer und zauberte so manches erstaunte Runzeln auf Stirne, als sie ein bisschen aus dem juristischen Nähkästchen eines Kursbetriebs in der Schule plauderte. Dann nutzte auch noch Michi die wohlige Sattheit nach dem viergängigen Dinner um als quasi intellektuellen Nachtisch noch ein bisschen Ski- und Skistiefelkonstruktion zu servieren: Flex wird seither von den Anwesenden nicht mehr mit einem elektrischen Werkzeug zur Lärmerzeugung bei der Metallbearbeitung verstanden, sondern mit der Härte bzw. Biegefestigkeit der Stiefelschale. Und Rocker hat seither auch nichts mehr mit Lederjacken und Gangkriminalität zu tun, sondern ist die relativ neue Art der Skikonstruktion, die es dem Benutzer des Skis erleichtern soll, das Brett auf der Piste in den Schwung zu drehen. Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass die herkömmlichen Carver ja eigentlich auch nie schwer zu drehen waren. Aber das Klientel aus Verkauf und Anwendung will halt immer wieder mal was Neues.

Die Frage bleibt: Was macht eine Heuschrecke auf dem Gletscher und die Japanrolle ausserhalb von Asia-Imbiss-Läden? Auch das war was neues – und sehr lustig zu probieren! Nur eines war noch lustiger: es anzusehen…
Bei der Japanrolle legt man sich vereinfacht gesagt am Ende der Schrägfahrt halt mal auf den Hang, klappt die Unterschenkel im Knie nach hinten und dreht die Ski
(die ja nun in der Luft sein sollten…) einfach um 180°, steht wieder auf – und fährt nun in die andere Richtung weiter. Ehrlich gesagt: Es kann durchaus passieren, dass man erst mal für eine Minute oder so am Hang liegt – und erst mal überlegt, was man da eigentlich macht! Und vor allem: Wie es jetzt weitergehen soll. Wenn man dann den ersten Lachanfall überlebt hat, geht’s auch weiter – irgendwie, manchmal halt auch in die falsche Richtung. So ganz nebenbei lernen Kinder bei so was ja auch das Aufstehen und Skisortieren.

Die Heuschrecke ist eine Art, wie die Ski mittels eines Sprungs in die neue Richtung bewegt werden. Aber halt! Nicht einfach ums Eck springen – das kennt man spätestens seit der Arlberger Wedeltechnik! Nein, bei der Heuschrecke springst Du erst hoch – unterstützt von einem Stockeinsatz.

Gut.
Dann, wenn Du so schön in der Luft bist, machst Du eine Grätsche.
Aber.
Wichtig ist, dass Du den bisherigen Talski nach Vorne und den anderen Ski nach hinten bewegst.
Soweit klar?
Denn jetzt musst Du nur noch kurz vor dem Aufkommen beide Ski in die neue Richtung bewegen und dann wieder auf ungefähr dieselbe Höhe bringen.
Fertig.

Es klingt vielleicht unglaublich, aber dabei kommt es in der Regel zu keinerlei Verletzungen! Zumindest nicht auf der Piste. Gefährlich wird das Ganze erst, wenn am Abend nach dem Essen an der Bar die Diskussionen einsetzen: Zwangsläufig ist die Versuchung groß, das ganze mit Demonstrationen „im Trockenen“ zu ergänzen.

Wobei nach so drei, vier Bier an der Bar ist der Begriff „im Trockenen“ auch nicht mehr so ganz angebracht…

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