Stellungnahme zum Schulsport nach den Pfingstferien

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Forderung des DSLV Bayern: Vollumfängliche Umsetzung des im Stundenplan verankerten Sportunterrichts

Nachdem nun nach den Pfingstferien an den bayerischen Schulen endlich wieder einigermaßen Normalität mit Präsenzunterricht Einzug halten soll, ist es auch an der Zeit den nunmehr seit über einem Jahr nicht mehr stattfindenden Sportunterricht verstärkt in den Fokus der Politik zu nehmen. In einem Schreiben an Kultusminister Michael Piazolo und Staatssekretärin Anna Stolz hat der DSLV Bayern deshalb nochmal seine Positionen und Forderungen deutlich gemacht.

Wir fordern

  • die verbindliche Umsetzung des im Stundenplan verankerten Sportunterrichts in allen Schularten und in allen Klassenstufen,
  • Sportunterricht – analog zu den anderen Fächern – in Mischgruppen der gleichen Klassenstufen (zumal er im Freien stattfindet),
  • Orts- und situationsabhängige Entscheidungen über die Art und Weise der Durchführung durch die Schulleitungen,
  • zeitweise Erhöhung der Schwimmzeiten – auch in den Hallenbädern über die Sommermonate – und vermehrte Freigabe von Schwimmflächen für das Schulschwimmen in Freibädern,
  • die tägliche Bewegungsstunde (auch fächerübergreifend) unter fachkompetenter Anleitung bzw. unter Zuhilfenahme von Padlets,
  • die Verwendung der Gelder des Bund-Länder-Förderprogramms zur Kompensation pandemiebedingter Lern- und Kompetenzrückstände für den Schulsport (z.B. für zusätzliche Schwimmkurse ggf. durch externe Anbieter in den letzten Schulwochen, Schwimmzeiten in den Bädern, Lehrerstunden).

Die fehlende Bewegung hat weitreichende Auswirkungen: mangelnde Koordination und Fitness, psycho-soziale Störungen, eingeschränkte Persönlichkeitsentwicklung und nicht zuletzt eine Gewichtszunahme. Langfristig führt der Bewegungsmangel zu erheblichen Lernrückständen und Defiziten im motorischen und kognitiven Bereich. Gravierende Einbrüche bei der ohnehin verbesserungsfähigen Schwimmfähigkeit der Grundschüler*innen sind zu erwarten – mit Konsequenzen für die weiterführenden Schulen. Bedingt durch die Bäderschließungen 2020 und 2021 fand in Bayern kaum Schwimmunterricht statt. Nun sehen wir einer ganzen Generation von Nichtschwimmer*innen entgegen.

Nach der langen Zeit ohne Pausensport, ohne den Weg zur Schule, ohne Vereinssport und ohne Sportunterricht ist es enorm wichtig, in kontrollierten und verlässlichen Strukturen den Sportunterricht wieder vollumfänglich aufzunehmen. Die Sportlehrkräfte sind darauf vorbereitet! Wir sind uns der Gefahren der Pandemie bewusst und wollen diese keinesfalls verharmlosen.

Kurse zum Aufholen der Ausfallstunden

Besonders gravierend sehen wir die Situation im Bereich des Schwimmunterrichts. So müssen nach unserem Dafürhalten vor allem für die betroffenen Grundschüler*Innen zusätzlich Kompakt- und Intensiv-Kurse angeboten werden, die das Nachholen der grundlegenden Schwimmfertigkeiten ermöglichen.
Diese freiwilligen Kurse können in den Ferien liegen, müssten dann aber zahlenmäßig deutlich aufgestockt werden. Die Abdeckung kann durch das Personal der Bäderbetriebe, aber auch durch qualifizierte Ausbilder, Rettungsschwimmer*Innen und Trainer*Innen der Verbände DLRG, DRK Wasserwacht und ebenso auf Honorarbasis durch Lehrkräfte der bayerischen Schulschwimmzentren oder andere zertifizierte Lehrkräfte erfolgen.

Dass genau an dieser Stelle die Gelder aus dem Bund-Länder-Förderprogramm im Sinne der Volksgesundheit sinnvoll eingesetzt wären, unterstreicht unsere Forderung, dass der Schulsport davon auch bedacht werden muss. Allein die Gefahrenabwägung von ansteigenden Badeunfällen und Ertrinkenden, mit denen zu rechnen wäre, ist ein schlagkräftiges Argument dafür. Um diese zahlungspflichtigen Kurse auch Kindern zu ermöglichen, die aus sozial benachteiligten Familien stammen, muss ggf. gemeinsam mit dem Sozialministerium über „Schwimmgutscheine“ diskutiert werden. Starten wir also eine großangelegte Kampagne, um Kinder und Jugendliche schwimmfähig zu machen! In Kooperation mit den Sportvereinen können Schwimmkurse in der Schulzeit, in den Ferien, an Wochenenden eingerichtet werden, jedoch brauchen die Schulen Schwimmzeiten, Lehrerstunden und Geld!

Bereits vor der Pandemie lag die Bewegungszeit von Kindern und Jugendlichen weit unter der Minimalempfehlung der WHO von 60 Minuten körperlicher Aktivität bei mittlerer bis höherer Belastung. Die Folgen des Bewegungsmangels können selbst durch den Schulsport nicht vollständig aufgefangen werden. Schulsport trägt – wenn entschieden umgesetzt – in allen Gesellschaftsschichten zu einer gesünderen Lebensweise der heranwachsenden Generation bei.

Es muss ein Umdenken stattfinden, das dem Sportunterricht höchste Priorisierung zukommen lässt.

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