Sport und junge Literatur

Matchball, Marathon und Mannschaftsgeist – Eine Ausstellung in der Internationalen Jugendbibliothek zum Thema „Sport und Sportliches in der Kinderliteratur“

Eigentlich wäre es kein Wunder, wenn man mittlerweile selbst als begeisterte Sportlehrkraft so langsam die Nase voll hätte von Großereignissen, die den Sport zum Anlass haben, sich aber dann zu Schauplätzen gesamtgesellschaftlicher Grundsatzdiskussionen entwickeln, die mit Sicherheit immer als kleinsten gemeinsamen Nenner für eine Einigung bieten, dass man diese Ereignisse – und damit eigentlich auch den sportlichen Vergleich in großem Maßstab als solches – ablehnt.

Die Frage, die bleibt: Wie soll Kindern und Jugendlichen – und eigentlich uns allen der Spaß an der Bewegung, am Schwitzen, am Kämpfen – und sei es um die goldene Ananas – vermittelt werden?

Sport kommt in den Medien zunehmend als Veranstaltung daher, wo mehr oder minder gut bezahlte Profis (in der öffentlichen Wahrnehmung sind alle natürlich nur „Millionarios“) ausschließlich immer nur deshalb Sport betreiben, um Champions League-, Weltmeisterschaften- oder zumindest Olympiamedaillen zu gewinnen. Alles andere als der Sieg ist im besten Fall ein Totalversagen oder ein Verbrechen an der fernsehenden Gesellschaft.

Und gerade, wenn man glaubt vor lauter FIFAs und UEFAs und IOCs und WADAs  und WALDIs (sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen) wirklich nie wieder mit Sport anders als als Ausübender zu haben zu wollen, leuchtet ein Licht am Ende der Tartanbahn.

Oftmals da, wo man selten hinschaut. Oder wer war denn schon mal in der „Internationalen Jugendbibliothek“? Gut, jede öffentliche Bibliothek hat sowas wie eine Kinder- und Jugendbuchabteilung – aber wer geht den heutzutage noch in eine Bibliothek? Es gibt schließlich Google und Wikipedia!

Ein Buch hat in unserer Wahrnehmung doch schon längst seine Rolle als Unikat verloren – es muss mindestens als Serie daherkommen, als Spiel erhältlich sein, diverseste „Merchandising Items“ bieten und am besten nicht zum Lesen verleiten, sondern dazu, ins Kino zu gehen – und vorher das passende Eis zu ordern…

Aber es gibt sie wirklich, diese anachronistische Einrichtung der „Internationalen Jugendbibliothek“. Die findet sich in der Münchner Blutenburg. Die ist – auch ganz ohne Internationale Jugendbibliothek – ein Kleinod mit weit zurückreichender Geschichte und einem ziemlich bekannten Höhepunkt: Der damalige Burgherr Albrecht III. verliebte sich so um 1428 in die Augsburger Bürgerstochter Agnes Bernauer. Das Ende ist hinreichend bekannt.

Zurück zur Gegenwart.
In diesem Schloß Blutenburg residiert seit vielen Jahren die Jugendbibliothek. Und dieses Jahr hat der Betreiberverein die Vielzahl stattfindender ( hierzulande auch mal abgelehnter) Großereignisse des Sports zum Anlass genommen, dem Sport in der Jugendliteratur eine Ausstellung zu widmen. Wie schreiben die Macher über Ihre Bücherschau: „In bester Dramentradition bieten (die Bücher) spannungsgeladenes Lesefutter um Gewinnen und Verlieren, Siegen und Scheitern. Sie loten dabei Kompetenzen wie Zusammenhalt und Teamgeist aus. Es soll aber auch um Grenzbereiche des „Sportlichen“ gehen, etwa um Körperlichkeit und Körperkult, oder um die Vereinnahmung antiker und mittelalterlicher Sportkulturen, etwa in der Fantasyliteratur“.

Und wenn man jetzt noch erwähnt, dass unter den gezeigten Werken auch Joanne Rowlings Harry Potter aufscheint, dann ist der Weg für das Schulpublikum doch schon gar nicht mehr so weit von abstrusen Quidditch Sessions zu einem gemeinsamen Sporterlebnis.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 2. November 2014 und bietet verschiedene Workshops für Schulklassen an, die variabel gebucht werden können. Jeder Workshop umfasst gut zwei Stunden, beinhaltet zudem einen Rundgang durch die Bibliothek und kostet pro Schüler 3 Euro. Mehr Information und Buchungsmöglichkeiten finden sich auf den Internet-Seiten der IJB.

Link: www.ijb.de

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