SCHWIMMT BAYERN BEIM SCHULSPORT?

Das Bayerische Aktionsbündnis für den Schulsport fand zwei Tage vor der Landtagswahl beim Pressegespräch klare Worte

München. 48 Stunden, bevor die Bayern am 14. Oktober 2018 zur Wahlurne gerufen wurden, lud das Aktionsbündnis für den Schulsport e.V. die regionale Presse ins Münchner Haus des Sports, um „Perspektiven des Schulsports in Bayern“ zu verdeutlichen.

Am Podium: Jörg Ammon, Bayer. Landes-Sportverband, Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayer. Lehrerinnen und Lehrerverbandes, Prof. Dr, Stefan Voll, Uni Bamberg, Leiter des Sportzentrums, Barbara Roth, Vorsitzende Deutscher Sportlehrerverband, als Moderator Michael Weiß, Vorsitzen- der des Bündnisses und vom Bayerischen Ministerium für Unterricht und Kultus Ministerialrätin, Heidi Repser.

Mit einem Positionspapier stellte Michael Weiß die Grundlagen des Bündnisses den VertreterInnen von Tagespresse und TV vor. Dies umfasst grundsätzlich nicht nur die Forderung nach mehr und regelmäßigem Schulsport, wie auch heftige Kritik, dass gerade beim Schulsport regelmäßig Stunden entfallen.
Da ist Nachholbedarf: Nach einer WHO- Studie wären täglich 90 Minuten körperliche Bewegung bei Jugendlichen zu empfehlen. In der bayerischen Realität erreichen dabei zum Beispiel 14- bis 17-Jährige davon täglich kümmerliche 10 Prozent.

Fazit: Schulsport ist in den vergangenen Jahrzehnten (!) kontinuierlich zurückgegangen, das klagen LehrerInnen, das beklagen Eltern.
Hier war es erfreulich, dass Simone Fleischmann als Mathematik-Lehrerin feststellte, dass längst erwiesen ist, dass Schulsport auch das Leistungsvermögen der SchülerInnen in anderen Fächern fördert; Bildung also ganzheitlich zu sehen sei!
Stichwort Leistung: in der Aussprache wurde von Ministerialrätin Repser darauf hingewiesen, dass Schulsport nicht allein vom Spaßfaktor geleitet werden soll, er soll auch auf ein Leben vorbereiten in dem Fleiß und Ehrgeiz erwartet wird.
Dass der Schulsport von bestens ausgebildeten Sportlehrerinnen und Sportlehrern geleitet werden muss, brauchte wenig Erklärung, Kinder würden auch keinen Deutschlehrer ernst nehmen, der die Sprache nicht beherrscht. Dennoch ist auch hier zwischen Bedarf und Wirklichkeit noch eine große Lücke zu schließen.

Das medial stärkste Aufsehen hatte in den vergangenen Jahren die mangelnde Schwimmfertigkeit bayerischer Kinder und die Schließung von Schwimmbädern und deren fragliche Sanierung. Gerade nach einem Sommer wie 2018 wollten die Journalisten wissen, ob, und wenn ja was denn passiert. Wohl wenig, deshalb ist der Schwimmunterricht ebenfalls eine wichtige Kernforderung des Aktionsbündnisses.

Gegen die Erhebungen von DLRG (Wasserwacht), die von einem Prozentsatz von 36 Prozent Schwimmfertigen bei 14- bis 29-Jährigen ausgeht, hat man im Unterrichtsministerium eine deutlich andere Sicht auf das Problem: Ausgehend von der, wie MR Heidi Repser sagt, könnten gemäß der KIGGS Studie, der „letzten wissenschaftlichen Studie“, 85 Prozent aller Schulabgänger schwimmen.
Die KIGGS*-Studien stammen allerdings aus den Jahren 2007 und 2012 und basieren ausschließlich auf einer telefonischen Befragung der Jugendlichen selbst oder ihrer Eltern, die wohl kaum am Telefon zugeben, nicht schwimmen zu können. Viele andere Studien weisen darauf hin, dass es um die Schwimmfähigkeit der Kinder und Jugendlichen deutlich schlechter bestellt ist.
Deutlich wird, dass die alarmierenden Meldungen in den vergangenen Jahren durch die Presse in ganz Deutschland gingen. Barbara Roth wies darauf hin, dass bei einem so aktuellen Thema die Bevölkerung deutlich mehr erwartet.

Es reicht eben nicht, sich darauf zu verlassen, dass Kinder vielleicht im Urlaub oder von Eltern das Schwimmen ab- schauen sollen, bayerischen Schülern steht – und zwar jeder und allen – ein qualifizierter Schwimmunterricht zu. Deshalb, so Roth, sei es ein „Anrecht der Eltern, dass sich der Freistaat auch hier endlich wieder an die festgelegten schulischen Lehrpläne hält“. In der Debatte wurde übrigens auch deutlich, dass Schwimmfähigkeit nicht nur ein Mittel gegen Ertrinken ist, sie fördert auch die Lebensqualität und erlöst Nichtschwimmer aus einem 2. Klasse-Dasein!

Der Deutsche Sportlehrerverband will es nicht beim Hinweis auf Missstände im Schulsportwesen bewenden lassen. Mit einer Petition und mit hoffentlich vielen Unterstützern aus Verbänden, Eltern- und Lehrerschaft und unter dem Motto: Bayern beweg Dich! soll gesichert sein, dass Bayerns Kinder weder dick noch doof sind und auch nicht untergehen.

Tragen auch Sie sich ein und helfen Sie uns, den Kindern wieder mehr Bewegung in der Schule zu ermöglihen!

Clemens Kratzer

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