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Lang leben und Spass dabei haben? – na klar!

Sie wollen länger und dabei vor allem auch gesund leben?
Kein Problem, vorausgesetzt, Sie sind bereit, selbst dafür aktiv zu werden.

Die nebenwirkungsfreie Pille, einmal täglich zum Frühstück ist dafür leider nicht geeignet. Ebenso wenig die Investition in eines der als omnipotent beworbenen Nahrungsergänzungsmittel. Selbst im Hochleistungssport ist zum Beispiel durch die zusätzliche Gabe von Vitaminen nur bei einem, in unseren Breiten unwahrscheinlichen, echten Mangel eine Leistungssteigerung zu erwarten.

Sind diese Erkenntnisse neu? Auch hier muss ich Sie enttäuschen. Bereits seit dem Ende der 80er Jahren ist bekannt und belegt, dass mit zwei „einfachen“ Maßnahmen die Sterblichkeit am effektivsten gesenkt werden kann:

  • Hören Sie zu Rauchen auf
  • Fangen Sie an, regelmäßig Sport zu treiben.

Diese beiden Interventionen in den Lebensstil haben einen größeren Effekt, als die alleinige Senkung eines hohen Blutdrucks, Verbesserung des Cholesterinwerts und Rückgang eines erhöhten Körpergewichts. Erfreulicherweise werden wiederum diese letzten drei Punkte durch den Sport zusätzlich positiv beeinflusst.

Die wissenschaftliche Datenlage hat in den letzten Jahren die Notwendigkeit der Einstellung „Pro Sport“ derart untermauert, dass sowohl in der Laienpresse als auch den medizinischen Fachzeitschriften durch die regelmäßigen Publikationen ein Wandel in der Bevölkerung eingetreten ist. Die Einsicht, die eigene Lebensqualität auf Dauer verbessern zu können, nimmt zu. Regelmäßiger Sport wirkt wie ein Antidepressivum, wer diesen Effekt und die gesteigerte Leistungsfähigkeit im Alltag erlebt hat, will dies nicht mehr vermissen.

Todesursache Nummer eins in Deutschland sind unverändert Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Als klassische Risikofaktoren gelten unter anderem

  • Übergewicht,
  • Bewegungsmangel,
  • erhöhte Blutfette,
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus.

All diese Faktoren können, wenn der innere Schweinehund nicht nur bellt, sondern auch Auslauf bekommt, durch Sie selbst verbessert werden. Dem Alterszucker (Diabetes mellitus Typ2) kann vorgebeugt und er kann gemildert werden, wenn Sie das größte Stoffwechselorgan für den Zucker bewegen: nicht die Leber, nicht die Bauchspeicheldrüse, sondern Ihre eigene Muskulatur.

Der Rückgang der Muskelmasse im Laufe des Lebens kann und muss aktiv verhindert werden. Dies ist ein Plädoyer für das oftmals ungeliebte Krafttraining, das durchaus auch effektiv zu Hause mit Hilfe des bisweilen nicht unerheblichen Körpereigengewichts und entsprechenden Übungen durchgeführt werden kann. Neben dem verbesserten Zuckerstoffwechsel wird dabei durch den Muskelzug auch der notwendige Reiz für die Stabilität des Knochens gesetzt, Stichwort Osteoporoseprophylaxe. Mit Erhalt der Muskelmasse und möglichem Wiederaufbau haben Sie einen 24 Stunden und 7 Tage die Woche für Sie tätigen Partner zur Vorbeugung von Übergewicht. Muskulatur hat auch in Ruhe und im Schlaf einen hohen energetischen Grundumsatz und verbrennt für Sie unbemerkt Kilokalorien. Haben Sie zunehmend weniger Muskeln und essen unverändert, wandert die Balance von Energiezufuhr und -verbrauch in Richtung Gewichtszunahme und Erhöhung des Körperfettanteils.

Ich kann Ihnen Hoffnung und einen Auftrag geben:
Es ist nie zu spät, mit dem Sport (wieder) zu beginnen.
Der Auftrag besteht darin, dass Sie bereits für das Kindesalter als Multiplikatoren dienen, Sport in das Leben zu integrieren. Die Kinder werden es Ihnen danken, auch wenn sie es momentan wahrscheinlich noch nicht wissen. Sie selbst haben für sich den Auftrag und die Gewissheit, dass nach aktuellem Wissensstand in jedem Alter und in jedem Trainingszustand durch regelmäßigen Sport ein positiver Einfluss auf Ihr zukünftiges Leben möglich ist.

Seitens der Fachgesellschaften wird sinnvollerweise darauf hingewiesen, dass vor Wiederbeginn, Neueinstieg oder allgemein intensivem Training eine abgestufte medizinische Untersuchung notwendig ist. Dadurch soll vermieden werden, dass bis dato unbekannte Grunderkrankungen aus dem internistischen Bereich oder Schwachstellen am Stütz- und Bewegungsapparat (z.B. Wirbelsäulenbeschwerden, Gelenke) durch Sportausübung allgemein oder durch bestimmte Sportarten zu einem Risiko führen. So konnte in Italien durch die Einführung einer Pflichtuntersuchung für alle Hobbysportler, die an einem Volkslauf, Rennen oder ähnlichen Veranstaltungen teilnehmen wollen, die Rate an plötzlichen Herztodesfällen unter die der inaktiven Normalbevölkerung gesenkt werden.

Im Rahmen der medizinischen Überprüfung Ihrer Belastbarkeit sollten Sie auch Hinweise erhalten, welcher Sport, wie intensiv, wie oft, wie lange für sie richtig ist. Zudem ein Vorschlag, wie Sie Ihr Training langfristig nach einem vorsichtigen Beginn steigern. Sollte der untersuchende Arzt darin nicht genügend Erfahrung haben, finden Sie über die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin (DGSP) oder den bayerischen Sportärzteverband (BSÄV) wohnortnah Ansprechpartner. Die Aussage: „jetzt machen Sie zuerst drei Mal in der Woche Sport und kommen in drei Monaten wieder“ ist nicht hilfreich. Es muss für Sie ein individuelles „Rezept für Bewegung“ erstellt werden, unter Umständen ein komplexer Trainingsvorschlag, die Sportart, Häufigkeit, Dauer und Intensität beinhalten. Dabei sind die Komponenten Ausdauer, Kraft / Rumpfstabilität, Flexibilität und Koordination zu berücksichtigen.

Der erste Schritt ist, dass Sie sich in Bewegung setzen.

Das individuell auf Sie zugeschnittene Training, unter Umständen unter Anleitung, im Verein, im Studio etc, soll dazu führen, dass Sie optimal profitieren. Mittlerweile ist medizinisch gesichert, Sport und Bewegung haben positive Effekte, der höchste Benefit wird aber durch eine objektivierbare Leistungsverbesserung erreicht: „Survival of the fittest“. Dies gilt auch und gerade für die unterschiedlichsten bereits bestehenden internistischen Grunderkrankungen.

Selbst die gesetzlichen Krankenkassen haben in den letzten Jahren begonnen, die sportliche Prävention zu stärken und in sie zu investieren. Mehrere Kassen gewähren zur sportmedizinischen Untersuchung und auch Leistungsdiagnostik beim Spezialisten Zuschüsse bis 80 Prozent der Kosten, unabhängig vom Alter auch für Kinder. In Zusammenarbeit von BSÄV und dem bayerischen Landessportverband (BLSV) wurden und werden immer mehr Untersuchungsstellen etabliert, die als Anlaufstellen für Interessierte dienen sollen.

Ein wesentlicher Punkt sollte nicht vergessen werden: neben dem rationellen Wissen über die Notwendigkeit der Eigenaktivität darf der Spaßfaktor nicht außer Acht gelassen werden. Nur wenn Sport als Selbstverständlichkeit und mit Freude integriert wird, haben wir die Chance, diesen Lebensstil auch auf Dauer umzusetzen. Sie haben die Möglichkeit Ihre eigene Gesundheit und Lebensqualität in die Hand zu nehmen.

Fangen Sie an!

 

 

Kurzfassung: Dr. med. Karlheinz Zeilberger
Facharzt für Innere Medizin, Sportmedizin
1988-2006 Verbandsarzt Eisschnelllauf
Olympiarzt 1998, 2002, 2006
Dr. med. Karlheinz Zeilberger, Facharzt für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin, 1999- 2004 Oberarzt Poliklinik und Vertreter des Lehrstuhlinhabers am Lehrstuhl für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der Technischen Universität München, von 1988-2006 Verbandsarzt Eisschnelllauf, Olympiaarzt 1998 (Nagano), 2002 (Salt Lake City), 2006 (Turin), Präsidiumsmitglied Bayerischer Sportärzteverband

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